Operation gelungen - Patient tot
Die Krankenhausinfektion - Ursachen und Hintergründe
Teil 1: Die Krankenhausinfektion - Einleitung
Teil 2: Mangelnde Krankenhaushygiene
Teil 3: Der falsche Umgang mit Antibiotika - die Zunahme multiresistenter Erreger
Teil 3: Der falsche Umgang mit Antibiotika - die Zunahme multiresistenter Erreger
Gut 100 Jahre ist es her, dass das erste Antibiotikum entdeckt wurde. Bis heute blieb es eine der bedeutendsten Entdeckungen und Entwicklungen in der Medizingeschichte.
Bereits kleine Mengen bewirken die Abtötung von Bakterien und die Heilung von bakteriellen Infektionen.
Die besorgniserregende Zunahme der Antibiotika-Resistenz
In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben sich immer mehr Bakterien verändert und sind mit keinem auf dem Markt befindlichen Antibiotikum mehr behandelbar und damit sind auch viele bakterielle Infektionen nicht mehr oder kaum noch heilbar.
Zwar wurde bereits Mitte des letzten Jahrhunderts festgestellt, dass sich Bakterien verändern und dass Antibiotika wirkungslos werden. Die Verschreibung von Breitspektrum-Antibiotika, mit einem größeren Wirkungsgrad, hat das Problem jedoch über lange Zeit verdeckt und verschlimmert, weil die Bakterien auch gegen diese Front einen Widerstand aufbauen konnten und seither kaum noch angreifbar sind.
Die Übertragung von Resistenzen
Problematisch ist nicht nur, dass viele Bakterien resistent gegen Antibiotika geworden sind. Problematisch ist auch, dass selbst diese Widerstandsfähigkeit gegenüber Antibiotika auf andere Bakterien übertragen werden kann. Damit multipliziert sich das Problem und wird immer größer. Viele dieser Übertragungswege sind bis heute unerforscht.
Die dramatischen Auswirkungen in der Praxis
Jedes Jahr erkranken in Deutschland ca. eine halbe Million Menschen an der Krankenhausinfektion.
Mangelnde Krankenhaushygiene gilt als ein wesentlicher Grund für die Infektion mit diesen Bakterien (wie MRSA), die gegen Antibiotika resistent geworden sind. Langwierige und schwere Krankheitsverläufe bis zum Tode können die Folge sein.
Die Ursachen der Resistenzbildung - der falsche Umgang mit Antibiotika
Die Ursachen für die Zunahme der Resistenzen in Deutschland werden insbesondere der massiven, unkontrollierten und oftmals überflüssigen Verabreichung von Antibiotika sowie Breitspektrum-Antibiotika zugeschrieben.
Dahinter steht eine Vielzahl von Einzelaspekten. Betroffen sind unterschiedliche Lebensbereiche, Arbeitsbereiche, Berufsgruppen, die Patienten selbst, mangelndes Wissen und schlichtweg eine fehlende Beachtung der Problematik in seiner ganzen Bandbreite über Jahrzehnte.
Als wesentliche Faktoren der Resistenzbildung gelten u.a.
(Informationen zusammengestellt aus DART)
Die unkontrollierte Verabreichung von Antibiotika - d.h. es fehlte bislang eine umfassende statistische Erfassung, sowohl über die Anzahl der Verschreibungen von Antibiotika, als auch der Diagonosen, die zur Verschreibung führen.
Viele Antibiotika werden von Ärzten überflüssig und falsch verschrieben, z.B. bei grippalen Infekten, wo sie wirkungslos sind.
Die zu häufige (durch die Diagnose nicht gerechtfertigte Erst-)Verschreibung von Breitspektrum-Antibiotika. - Was fehlt, ist ein Schnelltest, der es dem Arzt ermöglicht, sofort festzustellen, um welchen Erreger es sich handelt, um gezielt Antibiotika einzusetzen.
Ungenügende Aufklärung der Patienten.
Die unzuverlässige Einnahme von Antibiotika seitens der Patienten.
Der unkontrollierte nicht erfasste Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung, insbesondere der Massentierhaltung.
Der massive überflüssige Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung: bis 2005 wurden beispielsweise antibiotische Leistungsförderer dem Tierfutter beigemischt.
Mangelnde Hygiene in der Tierhaltung, der den Einsatz von Antibiotika nötig macht.
Der zunehmende Rückzug aus der Antibiotika-Forschung seitens der Pharma-Konzerne. Dadurch kommen immer weniger neue und wirksame Medikamente auf den Markt.
Antibiotika gelangen in die Umwelt (z.B. durch Abwässer von Krankenhäusern, durch die Tierhaltung). Da sie biologisch nur schwer abbaubar sind, können auch hier Resistenzen entwickelt werden.
Auch in der Lebensmittelherstellung, z.B. bei der Oberflächenbehandlung von Käse und Wursthüllen, werden antibiotisch wirksame Substanzen verwendet, wie das Natamycin, dass in der Humanmedizin zur Behandlung gegen verschiedene Hefepilzinfektionen eingesetzt wird.
Wichtiger Hinweis für Käse-Esser,
aus einer Stellungnahme des Bundesministeriums für Risikobewertung (BfR) von 2003, in der darauf hingewiesen wurde, dem Verbraucher Folgendes zu empfehlen:
Die äußere Schicht bei Käsesorten, die keine typische Käserinde aufweisen, sollte entfernt werden, damit der Verbraucher nicht unbeabsichtigt kleine Mengen von Natamycin aufnimmt, wodurch neben der Beeinflussung der Darmflora Resistenzen auftreten könnten.
Dennoch zugelassen. - Ob diese Empfehlung seit 2003 bei Ihnen als Käse-Esser angekommen ist, werden Sie wissen.
Die Strategien zur Vermeidung weiterer Resistenzbildungen
2001 hat die Weltgesundheitsorganisiation (WHO) und die Europäische Kommission Strategien veröffentlicht, wie die Entwicklung von Resistenzen gegenüber Antibiotika vermieden werden können.
2008 hat das Bundesministerium für Gesundheit, die DART-Studie (DART=Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie) erarbeit, mit Analysen und Zielsetzungen, sowie einem umfangreichen Maßnahmenkatalog, um in Deutschland ein weiteres Ausbreiten der Resistenzen klein zu halten. Hierzu gehören:
der Ausbau von Systemen zur Erfassung der Antibiotika-Resistenz und des Antibiotika-Verbrauches,
die Intensivierung von Verhütungs- und Bekämpfungsmaßnahmen,
die Förderung von regionalen, nationalen und internationalen Kooperationen,
die Verstärkung von Wissenschaft und Forschung auf diesem Gebiet.
>> Teil 1: Die Krankenhausinfektion - Einleitung
>> Teil 2: Mangelnde Krankenhaushygiene
Weblinks:
> Die sichere Anwendung von Antibiotika
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