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Psychologie heute

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Traumapsychotherapien mit EMDR sind 20 Jahre nach dessen Einführung unbestritten erfolgreich. Während die Wirkfaktoren noch erforscht werden, wenden Therapeuten es längst nicht mehr ausschließlich zur Behandlung schwerer Traumata an. Auch bei Allergien, Essstörungen, chronischen Erkrankungen und verhaltensgestörten Kindern hat sich das Verfahren bewährt

EMDR – heilsame Augenbewegungen

von Sylvia Meise

Revolution oder Humbug? Die Psychotherapie Eye Movement Desensitization and Reprocessing, kurz EMDR, polarisiert die Traumaforschung, seit sie 1989 von der amerikanischen Psychologin Francine Shapiro für posttraumatische Belastungsstörungen, PTBS, entwickelt wurde. Mittlerweile ist sie eine auch von offiziellen Gremien anerkannte Methode, denn über 20 kontrollierte Studien weisen deren teils frappierend schnelle Wirkung nach. Trotzdem gibt es erst seit etwa 10 Jahren einschlägige Fachartikel – meist wird EMDR darin als Scharlatanerie oder Form der Hypnose abgekanzelt und mit dem Etikett „unwissenschaftlich“ versehen. Der Grund: Bislang ist ungeklärt, wodurch die Heilerfolge zustande kommen. „Was neu ist an EMDR, wirkt nicht, und was an EMDR wirkt, ist nicht neu“, polemisierte 1999 der Psychologe und Traumaforscher Robert McNally. Heute sind die Fronten in Bewegung, denn psychophysiologische und neurobiologische Studien von Gedächtnis- und Schlafforschern ermöglichen nun plausible Erklärungsansätze.

Die empirische Forschung konzentriert sich auf das Element der raschen Rechts-links-Augenbewegungen, die während der traditionellen EMDR-Sitzung vom Therapeuten angeleitet werden. Der Schlafforscher Robert Stickgold etwa weist die Parallelen zur Augenaktivität der REM-Tiefschlafphase (Rapid Eye Movement) nach. Er untersuchte traumatisierte Vietnamkriegsveteranen, die ihre belastenden Erlebnisse regelmäßig in Albträumen wiedererlebten, und fand keine REM-Tiefschlafphasen. 2002 präsentierte er im Journal of Clinical Psychology ein neurobiologisches Modell zur Erklärung der EMDR-Wirkmechanismen, das er ausdrücklich als Ergänzung zu Shapiros Modell der beschleunigten oder „adaptiven Informationsverarbeitung“ vorlegte. Seiner Hypothese gemäß versetzen bilaterale Aufmerksamkeitsstimuli den wachen Körper in einen dem REM-Tiefschlaf gleichenden neurobiologischen Zustand, während dessen der Transfer von Erinnerungen aus der rechten in die linke Gehirnhälfte stattfindet. Das im Hippocampus befindliche episodische Gedächtnis gibt die Informationen weiter an das im Neokortex verortete semantische Gedächtnis. Dabei passieren sie das Sprachzentrum und können in die persönliche Geschichte sowie in das Wissen über die Welt integriert werden. Danach verblassen nicht mehr benötigte Informationsspuren im Hippocampus und lösen nach dieser These auch bei Traumatisierten keine aktive negative Erinnerung mehr aus.

...

Wie läuft EMDR ab?

1. Behandlungsplanung

2. Vorbereitung und positive Stabilisierung – welche positiven Dinge, welche negativen Belastungen sind heute präsent?

3. Bewertung – der Patient weist der belastenden Erinnerung eine negative Kognition zu („Ich bin hilflos“) sowie eine positive, die er künftig damit verbinden möchte („Ich kann heute etwas tun“).

4. Desensibilisierung – das belastende Material wird fokussiert und, begleitet durch Rechts-links-Stimulationen von Seh-, Hör- oder Tastsinn, frei assoziierend durchgearbeitet. Das wird so lange wiederholt, bis keine körperlichen und seelischen Belastungen mehr spürbar sind.

5. Verankerung – statt der ursprünglich negativen wird die positive Vorstellung eingesetzt und gestärkt.

6. Körpertest – alle Missempfindungen zur erinnerten Situation sollten beim Abschluss der Sitzung verschwunden sein.

7. Abschlussbesprechung – Hinweis auf Nachwirkungen, etwa durch (Tag-)Träume.

8. Überprüfung des Erfolgs und Neuorientierung für die Zukunft.

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Den ganzen Artikel lesen Sie in der Ausgabe von Psychologie Heute - Juli 2010