PSYCHOLOGIE

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Der Aufbau:

Milgram-Experiment

Der Tesperson wird die
Rolle des Lehrers(L) zugelost. Dieser befindet sich mit dem Versuchsleiter(V) im Hauptraum, der auf das Experiment einwirkt. Im Nebenraum sitzt eine
weitere Institutsperson, der vermeintliche Schüler(S), den die Testperson mit Stromstößen bestrafen soll.

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Aufbau und Ablauf

Die Probanden wurden über eine Zeitungsanzeige angeworben. Untersucht werden sollten in diesem wissenschaftlichen Experiment angeblich die Zusammenhänge zwischen Bestrafung und Lernerfolg. Versuchsleiter(V) und Schüler(S) waren eingeweiht und an dem Experiment beteiligt. Sie losten dem Teilnehmer stets die Rolle des Lehrers(L) zu. Diesem wurde der Nebenraum vorgestellt, in dem der Schüler anschließend auf einem Stuhl verkabelt wurde. Der Teilnehmer erhielt jedoch zuvor einen Stromstoß von 45 Volt, um die Wirkung eines solchen und die Glaubwürdigkeit des Experimentes zu verinnerlichen. Anschließend sollte er im Nebenraum den Schüler bei jeder falschen Frage mit einem Stromstoß bestrafen. Mit jeder falschen Antwort wurde die Dosis erhöht, das Klagen, Jammern, Schreien des Schülers, das nur durch die Wand zu hören war, wurde immer lauter und verstummte am Ende ganz. Nicht ohne Bedenken, nicht ohne heftige Stresssymptome zu zeigen und oftmals nur durch Zureden des Versuchsleiters verabreichten dennoch über 60 Prozent am Ende Stromstöße bis zur lebensbedrohlichen Höchstgrenze von 450 Volt.

Das Milgram-Experiment
gestern und heute

Wir scheinen uns längst daran gewöhnt zu haben, dass unser menschliches Verhalten tagtäglich analysiert und für Manipulationszwecke missbraucht wird. Manch plumpe Werbestrategie durchschauen wir, geschultem Verkaufspersonal gehen wir vielleicht schon eher auf den Leim. Wer durch Manipulationen zu Schaden kommt, findet sich gewöhnlich in der Opferrolle wieder.

Das Experiment von Milgram

Milgrams Experiment Anfang der 60ger Jahre zielte hingegen darauf ab, seine Versuchspersonen derart zu manipulieren, dass sie selbst zu Tätern wurden.
Mit grausamen Erkenntnissen. Begünstigt durch den wissenschaftlichen Rahmen der Yale University, respekteinflößend durch das seriöse Erscheinungsbild eines Versuchsleiters, waren über 60 Prozent der Probanden bereit gewesen, einem anderen Menschen körperlichen Schaden zuzufügen - mit dem Wissen - die Todesfolge in Kauf zu nehmen. Milgram selbst war über die Ergebnisse schockiert, ein Ruck ging durch das ganze Land, Milgram wurde gelobt und schließlich aufs heftigste kritisiert, seine Versuche als ethisch verwerflich eingestuft; hatte er doch seine Versuchspersonen zu hohem psychischen Druck ausgesetzt und deren mögliche Spätfolgen in Kauf genommen.

Das Experiment von Burger

Im Jahre 2008 wiederholte Jerry Burger Milgrams Versuche an der Santa Clara University, leicht abgemildert, mit psychologischer Betreuung. Sein Bestreben war, nachzuweisen, dass Obrigkeitsdenken und Gehorsam gegenüber einer Autoritätsperson nun weit weniger als in den frühen 60ger Jahren vorhanden wären. Doch das Ergebnis brachte kaum messbare Unterschiede.

Nutzen

Für die Masse sind solche Erkenntnisse unerklärlich und zutiefst erschreckend, da sie die Abgründe der menschlichen Psyche auftun. Für das Militär, für Sekten, für Regime oder Institutionen, denen ein festes hierarchisches System zugrunde liegt, dass Individualität und moralische Bedenken auf unterster Ebene nicht gebrauchen kann, sind solche Experimente hilfreich und die selbst geführten dürften kaum an die Presse gelangen. Dass man Söldner in Ausbildungscamps in kürzester Zeit zu striktem Gehorsam und zur Tötungsbereitschaft umerziehen kann, stellt ein Beispiel dar. Auch die Greueltaten von Abu Ghreib werden in diesem Zusammenhang immer wieder zitiert.

Das Todesspiel - Je jeu de la mort

Unlängst nutzten die Produzenten Christophe Nick und Michel Eltchaninoff Milgrams Experiment für eine umstrittene Dokumentation - ausgestrahlt wurde sie im März 2010 im französichen Staatsfernsehen France 2. Milgrams Versuchsaufbau und -ablauf wurde übernommen und medienwirksam aufbereitet. Auch hier wurden die Probanden wieder getäuscht, unter falschem Vorwand in eine fiktive TV-Show gelockt, es wurde ihnen vorgelogen, der Kandidat, den sie bei falschen Antworten mit Stromstößen bestrafen sollten, könne eine Million Euro gewinnen. Autoritätsperson war eine bekannte Fernsehmoderatorin, der übergeordnete Apparat das Fernsehen selbst. Auch hier musste die Moderatorin wie bei Milgram drängen, Zweifel ausräumen, denn das jämmerliche Geschrei, dass die verabreichten Stromstöße angeblich verursachten, ging an den Teilnehmern nicht spurlos vorüber. Selbstverständlich wurde die Moderatorin im Vorfeld eingeweiht und für diese Aufgabe geschult. Die 2000 Zuschauer waren angeblich ahnungslos. Sie feuerten den Probanden stets laut klatschend an weiterzumachen. Am Ende waren sogar über 80 Prozent der Teilnehmer bereit, die lebensbedrohliche Dosis von 460 Volt zu verabreichen.

Nick ging es darum, die Verrohung des Fernsehens aufzuzeigen und sieht seine Dokumentation als weiteren Beleg dafür.

Sowohl seine Methode als auch seine Analyse wurden in der französischen Medienlandschaft heftig kritisiert. So habe er sich selbst des Mediums bedient, welches er hier anprangere. Zahlreiche Teilnehmer an dem Experiment hätten ohnehin nicht geglaubt, dass es sich um echte Stromstöße und ein lebendes Opfer handle, schrieb „Libération“. Der Soziologe Gérald Bronner unterstellt Nick gegenüber "Le Figaro" viel eher ideologische als wissenschaftliche Gründe. "Er wollte unbedingt demonstrieren, dass das Fernsehen seine Zuschauer zu Barbaren macht. Es handelt sich um eine Manipulation".