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Der Nocebo-Effekt

Der Nocebo-Effekt ist der böse Bruder des Placebo-Effektes.
So wunderbar Schein und Sein auf unsere Genesung einwirken, so heimtückisch kommt der Nocebo-Effekt daher.

Allein die Einbildung, dass wir sowieso nicht gesunden werden, dass der Arzt irren muss, uns ganz bestimmt belügt, wir viel kranker sind als wir bislang glaubten, uns das Medikament gar nicht helfen kann, das diese und jene beschriebene Nebenwirkung unseren Körper geradezu ereilen muss, wird leider nicht ganz folgenlos bleiben.

Welch Verstörung, wenn wir erfahren, dass unsere plötzliche Übelkeit doch nur aufgetreten ist, weil wir als Testperson glaubten, ein Mittel einzunehmen, dass eben diese Übelkeit auslösen wird.

Der Placebo-Effekt

Wie kann es angehen, dass eine Tablette, die lediglich aus Zucker und Stärke besteht, Schmerzen lindert und selbst bei Krankheiten wie Rheuma, Demenz und Depressionen seine positive Wirkung entfaltet? Lange Zeit glaubte man, dass Scheinpräparate lediglich die Beschwerden von eingebildeten Kranken heilen würden. Doch die Placebo-Forschung hat diesen Irrglauben in seriösen Studien nicht nur widerlegt - jedes neuentwickelte Medikament muss heutzutage gegen Placebos (Medikamente ohne Wirkstoffe) standhalten um überhaupt eine Zulassung zu erhalten. Dabei stellt sich immer wieder heraus: nicht jedes Medikament wirkt stärker als sein wirkstoffloser Gegenspieler.

In sogenannten Doppelblind-Studien wissen weder Arzt noch Versuchsperson, wer ein Präparat mit oder ohne Wirkstoff einnimmt. Die wissentliche Einname eines Placebos bleibt ohnehin wirkungslos.

Die detaillierten Erkenntnisse aus der Placebo-Forschung sagen sehr viel darüber aus, wie wir auf Medikamente reagieren und wodurch unsere Selbstheilungskräfte aktiviert werden. Denn hinter dem Placebo-Effekt, der streng genommen nur das Ansprechen auf eine "Scheinbehandlung" bezeichnet, stehen eine Vielzahl von Ursachen und Wirkungen, die immer genauer erforscht und definiert werden.

Unser Gehirn

Unser Gehirn spielt bei dem Placebo-Effekt die entscheidende Rolle. Das Scheinpräparat wirkt nicht direkt dort, wo es die Reaktion hervorrufen soll - wie zum Beispiel bei rheumatischen Beschwerden.
Unsere Erwartung, unsere Erfahrung mit Medikamenten, insbesondere mit speziellen Präparaten, regt die gleichen Hirnregionen an, die ein tatsächliches Mittel anspricht. Ständig lernen wir, merken uns, was uns gut tut und wie wir auf etwas reagiert haben. Und am Ende genügt die Illusion und wir schaffen es, uns selber auszutricksen - nicht einmal bewusst - das dies und das doch helfen wird - das es so und nicht anders wirken muss. So werden über die Schaltzentrale Gehirn ständig biochemische Prozesse in Gang gesetzt, die in unserem Körper ihre Wirkung tun.

Dass eine positive Grundeinstellung zusätzlich den Heilungserfolg verbessern kann, gilt nicht nur für die Einnahme von Tabletten, sondern für viele Anwendungen und den Heilungsprozess überhaupt.

Der Arzt

Der Arzt, der seinem Patienten Aufmerksamkeit schenkt, ihm Verständnis und guten Zuspruch entgegenbringt, kann den Glauben an die Heilung bereits positiv beeinflussen. Wenn er zudem seine Überzeugung von der Wirsamkeit eines Medikamentes glaubhaft macht, kann dieses erheblichen Einfluss auf die Wirkweise des Präparates haben. Wenn er gar selbst die Spritze setzt und den Patienten nicht an seine Arzthelferin weiterreicht, so ist auch hier eine Steigerung des Erfolges möglich.

Das Experiment

Wie stark Erwartung und Vertrauen die Genesung beeinflussen, zeigt eine der wenigen verblüffenden Experimente mit Scheinoperationen aus den USA. 120 Patienten mit leichter Kniearthrose hatten sich darauf eingelassen. Ihnen wurde entweder tatsächlich oder nur zum Schein das kranke Knie operiert. Das Abspielen eines Videobandes machte Ihnen die OP genauso glaubhaft wie ein paar sichtbare Einschnitte auf der Haut. Die Befragung aller Patienten nach 2 Jahren ergab eine 90 prozentige Zufriedenheit mit dem Ergebnis. Zudem klagten die tatsächlich operierten Patienten häufiger über Schmerzen.

Die Placebos (Medikamente ohne Wirkstoff)

Eigentlich sollte uns an einer Tablette lediglich der enthaltene Wirkstoff oder die Wirkstoffkombination interessieren. Schließlich lösen bestenfalls sie den Heilungsprozess aus. Doch so funktioniert unser Gehirn nicht. Die Placeboforschung verblüfft auch hier mit Ergebnissen, die uns des Falschdenkens überführt: Wir lassen uns tatsächlich von der Farbe der Tablette, ihrer Größe, ihres Namens und auch vom Kaufpreis beeinflussen. Rot wirkt besser als weiß, zweifarbige Pillen besser als einfarbige, große Tabletten besser als kleine, komplizierte Namen besser als schlichte - nicht zuletzt, je teurer desto besser die Wirkung.

Generika - Auswirkungen in der Praxis

Generika sind wirkstoffgleiche Präparate eines Medikamentes, die von anderen Unternehmen nach Ablauf des Patentes hergestellt werden dürfen. Da hier keine Entwicklungskosten einfließen, sind sie schon allein aus diesem Grund erheblich preiswerter. Eine der Konsequenzen unserer diversen Gesundheitsreformen ist, dass Generika in der Regel verschrieben werden müssen.

Für Patienten, die jahrelang mit ihrem Medikament zufrieden waren, bedeutet dieses eine Umstellung auf einen neuen Medikamentennamen, eine anders aussehende Tablette und auf ein Produkt das jetzt billiger ist und einfach nicht so gut helfen kann - sagt der Kopf. Dem verschreibenden Arzt sind erklärtermaßen die Hände gebunden, wenn die Patienten darüber klagen, dass das alte Medikament doch besser wirkte, sich ihre Beschwerden verschlechtert hätten. Doch spielt uns hier der Placebo-Effekt eine böse Falle, oder ist das nachgebaute Präparat nicht tatsächlich weniger wirkungsvoll?

Generika in der Gesundheitsreform 2011

Diese Problematik ist in die Gesundheitsreform 2011 eingeflossen. Der Gesetzgeber hat auf den Wunsch der Patienten reagiert, ihr altbewährtes Präparat verschrieben zu bekommen (gültig seit 01.01.2011). Mit einer "kleinen Einschränkung": das teurere Medikament muss zunächst vom Patienten selbst bezahlt werden. Der Betrag, den das preiswertere Medikament kostet, wir von den Kassen rückerstattet. Schlussendlich ist dieses "freundliche" Entgegenkommen des Gesetzgebers aber zutiefst geldbeutelabhängig.

Wirkstoffhaltige Medikamente

Jedes Medikament, auch wenn es sich in der Zulassung gegen den Placebo-Test behaupten konnte, kann dennoch prozentual selbst als Placebo wirken. Das bedeutet, der Heilungserfolg kann auch immer zu einem gewissen Teil dem Placebo-Effekt zugeschrieben werden.

Ältere Medikamente

Ob der Placebo-Effekt bei älteren Präparaten stärker hilft als der enthaltene Wirkstoff ist unbekannt, da diese früher den Vergleichstest mit einem Placebo noch nicht durchlaufen mussten. Die Aspekte Erwartung und Erfahrung spielen hier verstärkt hinein: denn obwohl für die ein oder andere Krankheit durchaus neuere und wirkungsvollere Medikamente auf dem Markt sein können, verlangt der Kunde nicht selten nach Altbewährtem und Vertrautem. Was einmal geholfen hat, ist im Kopf recht gut verankert.

Gesetz und Ethik

20 bis 80 Prozent der Versuchspersonen reagieren psychisch wie physisch auf die Verabreichung von Scheinpräparaten. Besonders hoch ist die Quote bei Schmerzen, Rheuma, Magen-Darm-Störungen u.a. Die Verschreibung von Placebos ist jedoch bis heute in Deutschland - nur mit ganz wenigen Ausnahmen - aus ethischen Gründen verboten. Streng genommen bleibt es nunmal eine Mogelpackung, jedoch mit phänomenaler Wirkung.

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