PSYCHOLOGIE

Ihre Versandapotheke
> zum Shop
PORTALgesund
Psychologie heute

Der Artikel wurde uns von
"Psychologie Heute"
zur Verfügung gestellt.
www.psychologie-heute.de

Weitere Artikel in der Rubrik: "Psychologie"

> Wenn Eltern trinken
> Ja oder nein
> Tagebuch schreiben
> Glück
> Multiple Persönlichkeiten
> Der Selbstwert
> Das Milgram-Experiment
> EMDR
> Urlaub und Vorfreude
> Perfektionismus
> Intelligenztests
> Labile Kinder
> Das nervt!

Körpersprache und Mimik verraten unsere geheimsten Wünsche, Ängste und unbewussten Neigungen – für alle Welt sichtbar, nur nicht für uns selbst.

Getrübtes Selbstbild

Wir sind unfähig, unsere eigene Körpersprache zu lesen. Außenstehenden dagegen gelingt es problemlos, von einem nervösen Augenzwinkern, hochgezogenen Schultern oder einem selbstsicheren Gang auf versteckte Persönlichkeitsmerkmale und Überzeugungen zu schließen. Das hat eine Studie der Universität Würzburg zutage gefördert.„ Wir sind regelrecht blind, wenn es darum geht, unser eigenes unbewusstes Selbst durch das Beobachten unserer Mimik und Köpersprache zu erforschen“, so der Studienleiter Wilhelm Hofmann.

Die Forscher fragten sich, ob es Menschen helfen würde, wenn sie ihr Verhalten mithilfe einer Videoaufnahme beobachten könnten. Auf diese Weise sollte es ihnen möglich sein, ihre Körpersprache wie ein außenstehender Beobachter zu begutachten. Dem war jedoch nicht so. Die Versuchspersonen, die im Vorfeld ihren eigenen Charakter bewertet hatten, blieben auch nach dem Anschauen des Videos bei ihrer ursprünglichen Selbsteinschätzung. Unabhängige Beobachter dagegen deuteten mit überraschender Treffsicherheit die ausgesandten nonverbalen Signale der Probanden. Ihr Urteil stimmte mit den Ergebnissen aus einem impliziten Assoziationstest überein, den die Wissenschaftler zuvor durchgeführt hatten, um die unbewussten Einstellungen und Eigenschaften der Teilnehmer zu ermitteln.

Dass andere so viel zuverlässiger unser unbewusstes Ich erkunden können, hat evolutionäre Gründe: „Die Fähigkeit, das versteckte Ich anderer Menschen zu lesen, hat sich vermutlich deshalb entwickelt, damit sich der Mensch besser in seiner sozialen Umgebung zurechtfindet“, so Hofmann.

Warum aber können wir diese wunderbar praktische, adaptive Fähigkeit nicht auch nutzen, um uns selbst zu lesen? Sich selbst zu beobachten ist anstrengend, weil unsere Aufmerksamkeit schnell auf unwichtige Dinge gelenkt wird. So achten wir zum Beispiel darauf, was wir anhaben oder wie unser Make-up aussieht – auf Dinge also, die uns bei der Suche nach unserem wahren Ich nicht wirklich weiterhelfen. Hinzu kommt, dass Menschen ein ziemlich festgefahrenes Selbstbild haben. Alles, was nicht zu diesem Bild passt, wird einfach nicht wahrgenommen oder zurechtgedeutet.

Von Simone Einzmann
Aus Psychologie Heute 1/2010