Selbstmedikation
Unser Körper stellt ein komplexes Gebilde dar, in dem permanent eine Fülle von biochemischen Prozessen ablaufen. Beschwerden (z.B. Schmerzen, Hauterscheinungen, Blutungen) sind Signale unseres Körpers, dass dieses System gestört ist und möglicherweise eine Erkrankung vorliegt.
Unser eigenes Wissen über diese Vorgänge ist in der Regel eher gering. Und so sind wir mitunter gar nicht in der Lage, die Symptome und Beschwerden richtig zu deuten. Hierfür gibt es Ärzte, die nicht ohne Grund ein jahrelanges Medizinstudium absolviert haben.
Dennoch versuchen immer mehr Menschen ihre Beschwerden und Krankheiten selbst zu deuten und zu heilen. Ein mitunter folgenschweres Vergehen am eigenen Körper.
Mal wird die Freundin befragt, Medikamente möglicherweise sogar weitergereicht, mal werden unbekannte, anonymisierte Menschen in Gesundheitsforen befragt oder drauf los gegoogelt, so lange, bis identische Beschwerden, die vermeintliche Erkrankung und auch gleich noch eine kostengünstige Medikamentenempfehlung gefunden sind.
Hier ist allerhöchste Vorsicht geboten!
denn gleiche Symptome bedeuten noch lange nicht, dass es sich um die gleiche Krankheit handelt. Wer zur Hypochondrie neigt, kann durch die Sucherei nach Krankeiten zusätzlich Schaden nehmen.
mögliche Folgen und Gefahren der Selbstmedikation
fehlende Diagnose
somit ist keine Heilung oder Rücksicht auf die Erkrankung möglich
falsche Diagnose
hier gilt gleiches, zudem können Reaktionen auf eine falsche Medikamentenwahl entstehen
Bagatellisierung der Symptome
z.B. Sodbrennen: dieses kann ein Hinweis auf ein Magengeschwür sein
z.B. vermeintlich leichte Bindehautentzündung: dieses kann tatsächlich eine Regenbogenhautentzündung sein; mögliche Folge: Verminderung der Sehfähigkeit; mögliche Ursache: Rheuma oder andere schwere Erkrankungen
Verschleierung der Symptome
eine spätere Diagnose durch einen Arzt kann erschwert werden, insbesondere, wenn die Medikamenteneinnahme verschwiegen wird
Verschleppung, Verschlimmerung der ursächlichen Krankheit,
Krankheiten können chronisch werden
falsches Präparat
falsche Einnahme
leichte bis schwere Nebenwirkungen
auch pflanzliche Arzneimittel und Heilkräuter haben Nebenwirkungen
medikamentenbedingte Schmerzen
z.B. durch Schmerzmittel, die irgendwann ihre Wirkung verlieren und selbst zum Auslöser von Schmerzen werden, wie medikamentenbedingte Kopfschmerzen
Wechselwirkung mit anderen Medikamenten
können nicht abgeschätzt werden und eintreten
Medikamentenmissbrauch
z.B. ständige Einnahme von Präparaten zur Steigerung der Leistungsfähigkeit
z.B. Abführmittel, zur Gewichtsreduzierung
Medikamentenabhängigkeit
z.B. Beruhigungsmittel, Schmerzmittel, Nasensprays
besondere Vorsicht
Kinder dürfen nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker mit Medikamenten für Erwachsene behandelt werden!
Schwangere, chronisch Kranke und Menschen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden sollten sich auf gar keinen Fall auf eigene Faust medikamentös behandeln!
Keine Präparate übernehmen, die anderen Personen verschrieben wurden!
Möglichst keine Reste aufbrauchen - insbesondere niemals bei Antibiotika und Augentropfen!
Keine Reste aufbrauchen und anschließend mit einem anderen Medikament weiterbehandeln oder gar verschiedene Medikamente gleichzeitig ausprobieren!
Niemals Medikamente über einen längeren Zeitraum einnehmen, ohne den Arzt oder Apotheker zu befragen!
Niemals die Dosis erhöhen! - frei nach dem Motto: "Mehr hilft mehr."
Wann sollte der Arzt aufgesucht werden?
Kleine Wehwehchen können wir oft selbst in Zusammenhang bringen, z.B. mit wenig Schlaf, Stress oder ungesundem Essen. Grundsätzlich sollte zunächst versucht werden, auf Medikamente zu verzichten und diese mit altbewährten Hausmitteln zu behandeln. Wenn die Beschwerden nicht innerhalb von 3-4 Tagen abklingen oder immer wieder kehren, sollte ein Arzt konsultiert werden. Bei starken Beschwerden sollte der Arzt möglichst bald aufgesucht werden, insbesondere dann, wenn die Beschwerden zum ersten Mal auftreten und die Ursache unklar ist.
der verspätete Gang zum Arzt
Viele Menschen versuchen zunächst erfolglos, sich mit Medikamenten selbst zu behandeln, bis sie schließlich doch den Arzt aufsuchen. Wichtig ist, dass dem Arzt mitgeteilt wird, welches Medikament/welche Medikamente zunächst eingenommen wurden.
Warum meiden immer mehr Menschen den Arztbesuch
finanzielle Gründe (Praxisgebühr + Zuzahlung/Selbstzahlung - die Selbstmedikation ist nicht selten die preiswertere "Lösung")
kein Vertrauen (schlechte Erfahrungen mit Ärzten)
Zeitgründe (lange Wartezeit beim Arzt, Angst vor Stress mit dem Arbeitgeber)
Angst (vor der Behandlung, vor Spritzen, vor der Diagnose)
Arzt oder Apotheker
"Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" - dieser bekannte Hinweis aus der Fernseh- oder Printwerbung mag so manch einem suggerieren, der Gang in die Apotheke genüge, um fachkundigen Rat bezüglich Beschwerden und Krankheit einzuholen. Der vollständige Text lautet jedoch: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" und ist bezogen auf Medikamente und nicht auf Beschwerden.
Ein Apotheker ist ein studierter Fachmann für Medikamente. Er kennt sich auf dem Medikamentenmarkt bisweilen besser aus, als ein Arzt, er kennt die neuesten Produkte, er erhält oft noch eher als ein Arzt Rückmeldungen auf die Wirksamkeit oder mögliche Nebenwirkungen von seinen Kunden/Stammkunden.
Ist also eine Krankheit bekannt oder sind die Symptome wie Erkältungsbeschwerden absolut eindeutig, oder treten nach dem Arztbesuch noch weitere Fragen zu Medikamenten auf, so kann der Apotheker mit Fachwissen, Erfahrung und Rat zur Seite stehen. Nicht umsonst sind fast alle OTC-Präparate (siehe rechte Spalte) apothekenpflichtig, damit die Möglichkeit einer Beratung durch den Apotheker gewährleistet ist.
Der Apother darf keine Diagnosen stellen und wenn Sie ihn mit diffusen oder starken Beschwerden um Rat fragen, werden Sie wahrscheinlich erleben, dass er Ihnen rät, den Arzt aufzusuchen.
Wann ist eine Selbstmedikation möglich
Trotz der berechtigten Warnung, nicht über die eigenen Krankheiten zu spekulieren und nicht auf Verdacht Medikamente einzunehmen, ist die Selbstversorgung mit Medikamenten relativ unbedenklich,
wenn:
es sich offenkundig um leichte Beschwerden handelt, deren Ursache nachvollziehbar ist und Medikamente nach Vorschrift (Beipackzettel) und nur für kurze Zeit eingenommen werden
die Symptome bekannt sind, da die Krankheit bereits vom Arzt diagnostiziert wurde und das Medikament vom Arzt oder Apotheker empfohlen wurde
eine längerfristige Medikamenteneinnahme mit dem Arzt besprochen wurde
zudem stets:
grundsätzlich der Beipackzettel vollständig gelesen, verstanden und berücksichtigt wird
die Wechselwirkung mit anderen Medikamenten oder Substanzen beachtet wird
der Arzt aufgesucht wird, wenn Nebenwirkungen auftreten, das Medikament nicht hilft, die Beschwerden andauern oder sich verstärken.
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